Am Samstag, den 22. Februar waren wir bei einer Demonstration in Hanau. Der traurige Anlass: Ein rechter Terrorist hatte am Mittwoch zuvor in zwei Shishabars 9 Menschen aus rassistischem Motiv umgebracht, bevor er seine Mutter und sich selbst tötete.

In teilweise sehr emotionalen bzw. berührenden Redebeiträgen wurden immer wieder die Namen der Opfer verlesen und darauf aufmerksam gemacht, dass wir sie nicht vergessen und ihnen mehr Aufmerksamkeit als dem Täter widmen sollten. So waren viele Menschen mit ihren Fotos in der Menge vertreten.Es sprachen unter anderem Vertreter*innen der anwesenden migrantischen Abeiter*innenverbände, sowie die Angehörigen, die alle auf die Bühne gebeten wurden. Zudem wurden einige Grüße von Überlebenden ehemaliger rassistischer Anschläge in Deutschland verlesen.
Wir waren mit über 6.000 menschen vor Ort um gegen Rassismus, Faschismus und rechten Terror zu demonstrieren. Der Demonstrationszug, geführt von den Angehörigen, zog nun vom Freiheitsplatz in Hanau Richtung Heumarkt. Unterwegs haben immer wieder Menschen angehalten eine Schweigeminute an den Tatorten der Toten, an denen Gedenkplätze mit Kerzen errichtet wurden, verbracht.

Es wurde, auch von den Angehörigen, immer wieder betont, dass die Opfer Hanauer*innen waren und dass wir alle solidarisch miteinander sein müssen. Dass es nicht hinzunehmen sei, dass Deutschland sein Rassismusproblem nicht erkennt und solche Taten weiterhin passieren! Dem können wir uns nur anschließen.

Der Anschlag in Hanau Ereignis löst Trauer und Wut aus. Doch es braucht auch Widerstand. Rechte Terror- und Gewaltakte haben eine traurige Kontinuität in der Bundesrepublik. Der Aufstieg von rechtspopulistischen Kräften wie der AfD schafft eine Stimmung, in der es auch gewaltbereiten und faschistischen Kräften gelingt, stärker in die Öffentlichkeit zu treten. Aber auch die Medien und Parteien tragen ihre Mitschuld, wenn sie, um den gesellschaftlichen Rassismus für sich zu nutzen, den Rassismus und Hass auf muslimische Mitbürger*innen schüren. Diese werden von rechts immer wieder als die Ursache sozialer Missstände und Ungleichheiten benannt, dabei ist es die Politik der regierenden Parteien, welche Armut, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit schaffen. Wenn wir den Rassismus bekämpfen wollen, müssen wir ihm seinen Nährboden entziehen. Das heißt soziale Ungleichheit, und damit den Kapitalismus, bekämpfen, aber auch privat Courage zeigen, wann immer uns Rassismus im Alltag begegnet.

Fälle wie NSU 2.0, der Mord an Lübcke oder die Aussagen unseres ehemaligen Verfassungschutzpräsidenten Maaßen zeigen, dass wir uns nicht auf diesen Staat verlassen können, wenn es um die Bekämpfung rechten Terrors geht. Stattdessen gilt, wir müssen den antifaschistischen Selbstschutz organisieren und uns als Gegenbewegung verankern, in unseren Stadtvierteln, in der Schule und im Betrieb.

In Gedenken an die Opfer rechten Terrors in Hanau:

Ferhat Unvar
Gökhan Gültekin
Hamza Kurtović
Said Nessar El Hashemi
Mercedes Kierpacz
Sedat Gürbüz
Kaloyan Velkov
Fatih Saraçoğlu
Vili Viorel Păun
Frau R.
#SayTheirNames

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutz
, Besitzer: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
Datenschutz
, Besitzer: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.