In der letzten Stadtratssitzung wurde der Alzeyer Klimaschutzbericht vorgestellt, doch in Anbetracht der zunehmenden Umweltkatastrophen fällt er mehr als unbefriedigend aus, da er sich strikt dem Namen nach nur mit Klimaschutz befasst und das unmittelbar verbundene Thema Umweltschutz außer Acht lässt. Katastrophen wie das Insektensterben, Grundwasserverunreinigung und Feinstaub werden so beispielsweise nicht thematisiert, obwohl es unzweifelhafte Folgen der gescheiterten Umweltpolitik sind. Doch nicht einmal das Klima wird in angemessenem Rahmen thematisiert, denn es werden lediglich die Faktoren Strom, Gas und Wärme beachtet. Klimagase und deren Reduzierung finden im Bericht keinerlei Beachtung.

Umweltschutz ist antikapitalistisch

Obwohl der Bericht feststellt, dass kommunale Einrichtungen der Stadt in den Aspekten Strom und Gas lediglich 1-2 Prozent des Energieverbrauchs ausmachen und dass die Industrie den mit Abstand größten Umweltschaden verursacht, sind die meisten bisher getroffenen Maßnahmen auf kommunale Einrichtungen und Neubauten beschränkt. Trotz aller Maßnahmen bleibt der Energieverbrauch dieser Einrichtungen konstant mit leichten Schwankungen. Dies gilt auch für den gesamtenergieverbrauch. Beim Neubau von Häusern empfiehlt der Bericht Fernwärmeleitungen und Isolierungen; ein guter Rat, dessen Umsetzung im Bauausschuss der Stadt Alzey dennoch nicht gewährleistet ist. Ein klares Zeichen, wie wenig die darin vertretenen Parteien auf Klimaschutz achten, sobald er mit Profitinteressen kollidiert

Freie Fahrt für Bus und Bahn

In manchen Punkten hingegen wäre es wünschenswert, dass die Stadt sich nicht an den vorgelegten Klimaschutzbericht hält. Was Mobilität angeht, setzt der Bericht nämlich auf Individualverkehr in Form von Elektromobilität. Sprich, mehr Elektroautos für die Welt. Außer Acht gelassen wird dabei, dass diese Autos lediglich Abgase verlagern, da der Strom, mit dem sie betrieben werden, hauptsächlich durch Verbrennung fossiler Energieträger gewonnen wird. Die Umweltschäden durch die Produktion von Autos, die Sanierung viel befahrener Straßen, Flächenversiegelung und vieles mehr finden hierbei auch keine Beachtung. Auf umweltfreundliche Alternativen zum Auto, wie dem öffentlichen Personennahverkehr, wird nicht hingewiesen. Stattdessen soll das Image der Stadt als innovationsstandort für Elektroautos gewahrt bzw. etabliert werden. Wir fordern eine Alternative zum umweltunfreundlichen individualverkehr: Einen kostenlosen und flächendeckenden öffentlichen Personennahverkehr.

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